Maria Sibylla Merian – ein Leben in Bildern

*** Alle Bilder sind gemeinfrei, mit den Quellen verlinkt und dort meist auch in höherer Auflösung verfügbar. ***

Das ist Maria Sibylla Merian:

Jacob Marrel: „Bildnis der Maria Sibylla Merian“, 1679. Wikimedia Commons, Quelle: Kunstmuseum Basel

Ihr Porträt zierte früher die 500 DM Note.

„500 DM Serie 4“, Wikimedia Commons, Quelle: Deutsche Bundesbank

Geboren wurde sie 1647 in Frankfurt am Main. Ihr Vater Matthäus Merian war Kupferstecher und Verleger.

Joachim von Sandrart: Kupferstich von Matthäus Merian dem Älteren, 17. Jh. Wikimedia Commons, Quelle: Detroit Insitute of Arts

Er machte Stadtansichten. Weckte er damit die Reiselust seiner Tochter?

Matthäus Merian: Stadt und Festung Nienburg an der Weser, um 1650. Wikimedia Commons

Matthäus starb früh. Bei ihrem Stiefvater, Jacob Marrel, lernte Maria die Blumenmalerei. 1665 heiratete sie einen von Marrels anderen Schülern, Johann Andreas Graff. Das Paar bekam zwei Töchter, Johanna und Dorothea, und zog nach Nürnberg. Dort unterrichtete Maria ihrerseits wohlhabende Töchter im Blumenmalen- und sticken. Damit sie auch im Winter Motive hatten, brachte sie ihr „Neües BlumenBuch“ heraus.

M. S. Merian: „Neües BlumenBuch“, 1675 (Band 1). Quelle: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
S.o.: Tafel 2
S.o.: Tafel 9

Zwei weitere Bände des Blumenbuchs folgten. Doch schon immer hatte sich Maria auch für Tiere interessiert.

M. S. Merian: „24 Handmalereien von Insekten, Schnecken und Blumen“, 1665. Quelle: Digitale Sammlungen Universitätsbibliothek Frankfurt

 

M. S. Merian: „Schmetterling, Vogel, Blume, Käfer“, um 1675. Quelle: Staatsbibliothek Bamberg

In Frankfurt hatte sie die Metamorphose von Seidenraupen beobachtet. 1679 erschien ihr erstes Raupenbuch.

M. S. Merian: „Der Raupen wunderbare Verwandelung, und sonderbare Blumen-nahrung“, 1679. Quelle: Digitale Sammlung  Universitätsbibliothek Frankfurt

Darin bildete sie Insekten in allen Entwicklungsstadien und mit ihren Futterpflanzen ab. Die Tafeln kolorierte sie präzise.

S.O.: Tafel 1
S.o.: Tafel 20

1683 erschien das zweite Raupenbuch.

M. S. Merian: „Der Raupen wunderbare Verwandelung, und sonderbare Blumen-nahrung […]“ (Band 2), 1683. Quelle: Digitale Sammlung Universitätsbibliothek Heidelberg
In ihrer Ehe war Maria unglücklich. 1685 verließ sie ihren Mann und schloss sich mit ihren Töchtern der niederländischen Sekte der Labadisten an. Dort gewährte man ihr eine Sonderrolle und ließ ihr Zeit für Forschung.

M. S. Merian: „Studie zu Insekten, Früchten und Muscheln“, Datum unbekannt. Wikimedia Commons, Quelle: Metropolitan Museum of Art

1691 zogen die Merians weiter – nach Amsterdam. Maria traf andere Künstler, Forscher und reiche Kaufleute, die in sogenannten „Wunderkammern“ Kuriositäten aus aller Welt sammeln.

Aus „Wondertooneel der Nature“ (Katalog zur Sammlung von Levinus Vincent), Künstler unbekannt, um 1700. Wikimedia Commons, Quelle: Université de Strasbourg

Maria wollte selbst reisen – nach Surinam, wo es prächtige Schmetterlinge geben sollte. Ein gewagtes Unterfangen, denn die Überfahrt war lang und beschwerlich …

Wenzel Hollar: „Eine Fleute“, 17. Jahrhundert. Wikimedia Commons, Quelle: University of Toronto

… und unterwegs lauerten Freibeuter und Piraten.

Howard Pyle: „Der Bukanier war ein pittoresker Kerl“, 1905. Wikimedia Commons

Trotzdem brachen Maria und Dorothea 1699 auf und erreichten die niederländische Kolonie wohlbehalten. In Surinam wurde auf Plantagen Zucker angebaut.

Dirk Valkenburg: „Plantage in Surinam“, 1707. Wikimedia Commons, Quelle: Rijksmuseum Amsterdam

Die Arbeiter waren hauptsächlich afrikanische Sklaven.

Dirk Valkenburg: „Ritueller Tanz von Sklaven auf einer Plantage in Surinam“, um 1707. Wikimedia Commons, Quelle:
Statens Museum for Kunst

Ihre grausame Behandlung entsetzte Maria. Außerdem bedauerte sie, dass sich die anderen Weißen so wenig für die Natur des Landes interessierten. (Kostbare Vanille wuchs hier wild!) Um Ausflüge in den Urwald zu unternehmen, suchte sie die Hilfe von Indigenen.

John Gabriel Stedman: „Arawak Frau“, 1818. Wikimedia Commons

Maria sammelte und zeichnete viele Spezies, zog sich dabei aber Malaria zu. Nach zwei Jahren musste sie mit Dorothea geschwächt heimreisen.

In Amsterdam durfte sie im Rathaus ausstellen. 1705 erschien ihr größtes Werk.

M. S. Merian: „Metamorphosis insectorum Surinamensium“, 1705. Quelle: Digitalisierungszentrum der UB Göttingen

45 Gulden kostete die kolorierte Ausgabe, das entspricht 2000€. Dafür gab es Beschreibungen und Bilder der surinamischen Fauna und Flora:

siehe oben: Ananas mit Raupen, Würmern, Käfer und Falter, dessen Flügel „in der Vergrößerung geschuppt wirken“
siehe oben: Große schwarze Raupe mit Streifen, wurde zu einem Nachtfalter. Schlange und Schlangeneier, auf Cassava-Wurzel, die man „bäckt wie Zwieback“.
siehe oben: Granatbaum, gelbe Raupe und blauer Schmetterling mit wundersamen Glanz, der „nicht zu beschreiben ist“
siehe oben: Spinnen, Ameisen und toter Kolibri auf Guajavenzweig. Die Ameisen „können große Bäume in einer Nacht kahl wie einen Besen fressen“
siehe oben: Kresse, Wasseschnecken und Krötenweibchen mit Eiern auf dem Rücken
Obwohl Maria nun einen Namen hatte, konnte sie vom Verkauf ihrer Bücher nicht leben, sondern gab weiterhin Malunterricht und verkaufte Präparate aus ihrer Sammlung.

Jacobus Houbraken nach Georg Gsell: „Maria Sibylla Merian“, ca. 1717. Wikimedia Commons, Quelle: Städelmuseum Frankfurt

1717 starb sie in Amsterdam. Nach ihrem Tod beendete Dorothea ihr letztes Werk:

M. S. Merian: „De Europische Insecten“, 1730. Quelle: Digitalisierungszentrum der UB Göttingen
Maria hat unbekannten Insekten keine Namen gegeben, trotzdem heißen heute einige Spezies nach ihr. Andere Biologen ehrten sie damit posthum:

Catasticta sibyllae, 2018 entdeckt. Wikimedia Commons, Quelle: Shinichi Nakahara, Pablo Sebastián Padrón und John R. MacDonald
Avicularia merianae, 2017 entdeckt. Wikimedia Commons, Quelle: C.S. Fukushima, R. Bertani

Bücher aus Marias Zeit

In Amsterdam hatte Maria Zugang zu Fachliteratur und las viele Bücher, darunter vermutlich:

Edward Topsell: „The history of four-footed beasts and serpents“, 1658. Quelle: Duke University Libraries

Ein Zoologiewerk, das auf 1100 Seiten sowohl reale Spezies als Fabelwesen beschreibt. Einige der tatsächlich existierenden Tiere haben darin seltsam menschliche Züge:

siehe oben: „Bear-Ape ARCTOPITHECUS“ (Faultier)

Zur Landeskunde Brasiliens:

Georg Marggraf, Willem Piso: „Historia naturalis Brasiliae“, 1648. Quelle: Missouri Botanical Garden

Darin kolorierte Abbildungen exotischer Spezies:

siehe oben: Ibiboboca

Auch Karten gab es. Durch die wechselnde Vorherrschaft der europäischen Kolonialstaaten änderten sich die Ortsbeschreibungen:

Gerhard Mercator: „America Meridionalis“ in „Atlas minor, das ist ein kurtze, jedoch gründtliche Beschreibung der gantzen Welt“, 1609. Quelle: Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

 

Frederik de Wit: „Nova totivs Americæ descriptio“, 1660. Quelle: Library of Congress